Das Projekt "Upper Styrian Big Band Folk" beschäftigt sich mit der Gegenüberstellung
und der Verbindung von Klängen echter, gewachsener Volksmusik mit dem Sound
einer modernen Jazz Big Band. Tief verwurzelt in der Tradition der echten
Volksmusik aus dem obersteirischen Raum steht der Familiengesang Pfeilstöcker seit
1961 auf der Bühne. Egal ob es sich um Fernsehübertragungen wie Klingendes
Österreich handelt, oder die Bauernstub’n beim Geburtstag des Nachbarn, die drei
Stimmen und die Begleitung einer steirischen Harmonika geben ihrer Musik einen
unverwechselbaren, charakteristischen Klang. Dem gegenüber steht der moderne
Sound des Sensix Orchestras, das, in vielen Formationen, seit Jahren als
Talenteschmiede für zahlreiche, aus der Obersteiermark stammende professionelle
Jazzmusiker dient.
Das hier vorgestellte Projekt bringt zum ersten Mal beide Aspekte des obersteirischen
Musikbewusstseins auf die Bühne: ... Ein sanfter Jodler eröffnet. Kurz darauf
übernimmt die Saxofonsection die eben vorgestellte Melodie und spinnt diese
kontrapunktisch weiter. Die steirische Harmonika bleibt im Geschehen und stimmt
nach einer Weile einen mitreißenden Zwiefachen an. Die Rhythmsection der Big
Band ergänzt ein grooviges Pattern, während die Trumpetsection markante Einwürfe
liefert. Nach einem energetischen Tenorsaxofon Solo nimmt das musikalische
Geschehen eine abrupte Wendung und mündet in eine Jazzpolka, die Erinnerungen an
das Vienna Art Orchestra aufleben lassen. ... Diese Beschreibung ist nur ein Versuch,
die musikalische Vision in Worte zu fassen, das wesentliche Merkmal der Musik wird
jedoch unbeschreibbar bleiben: Die Echtheit, Authentizität und Nachhaltigkeit des
Erlebnisses, gewährleistet durch die unnachahmlichen persönlichen Eigenschaften der
Protagonisten.
Mit der Verbindung von Volksmusik mit Jazz befindet man sich in bester
Gesellschaft: Ob Wolfgang Puschnigs Alpine Aspects, Luis Sclavis’ Folclore
Imaginaire, der Balkanjazz, oder Jan Garbareks Skandinavische Musizierweise, mit
Upper Styrian Big Band Folk entsteht ein neuer, originärer musikalischer Beitrag, der
die internationale Sprache der Jazzmusik zum Ausdruck von Inhalten der lokalen,
musikhistorischen Musiktradition nützt.
Ermöglicht wird dies durch einen groß angelegte Kompositionsauftrag an den, in der
Obersteiermark aufgewachsenen Jazzkomponisten und –pianisten Michael Kahr. Kahr
unterrichtet an der Jazzabteilung der Kunstuniversität in Graz und beschäftigt sich seit
Jahren mit den, an der Oberfläche oft verborgenen, Verbindungen in der Musik. Jazz
– Pop, Klassik – Jazz, persische Volksmusik – Konzerthaus, österreichische
Volksmusik – Streichquartett, Kirchenorgel – Blues... bei Engagements in aller Welt,
zur Zeit noch mit Ausnahme des asiatischen und südamerikanischen Raums, galt
Kahrs Interesse der verbindenden Dimension der musikalischen Sprache. Auch in
seiner wissenschaftlichen Arbeit, dokumentiert in Artikeln, internationalen
Konferenzbeiträgen und seiner kürzlich abgeschlossenen Dissertation manifestiert
sich der Drang nach der Erkundung dieser musikalischen Berührungspunkte.
